Diesmal beginne ich, indem ich erst die Überschrift setze.
Schnell noch dies, schnell noch jenes. Beeil dich, wir müssen noch. Gleich fährt der Zug ab, beginnt das Spiel, endet die Ablauffrist. Keine Zeit für nichts. Hastig ein paar Worte zusammengestellt für eine Gratulation, eine Mail, eine Nachricht. Nichts Menschliches sei mir fremd. Gegen das Hastige in mir selbst.
Vierte Rauhnacht. Eine gewisse Kälte hat sich um das Haus gestellt. Ich habe es warm. Kürzlich konnte ich weder denken noch fühlen. Diese Defekte sind behoben. Erst jetzt gerate ich in die Stille dieser Tage und scheine den Lärm meines sonstigen Lebens verlassen zu haben. Ich spüre es am ganzen Körper.
Daß ich meinen Körper nicht habe, sondern dieser Körper bin, ohne vielleicht nur dieser Körper, der mich trägt und hält, auch aushält, zu sein, gibt auch hinsichtlich der Hast zu denken. Oft genug malträtiere ich diesen Körper, indem ich ihn den Rhythmen eines Lebens unterwerfe, die vielleicht nicht die seinen sind. Doch ich weiß darüber zu wenig. Wir kommen gut miteinander aus.
Manche, so liest man, schämen sich ihres Körpers. Das ist nicht recht. Vor dem Spiegel befindet sich ein jeder in schwieriger Situation. Was in ihm zu sehen ist, ist ein Bild, das dem Betrachter zu denken gibt. So sehe ich also aus? Nein, keinesfalls. So wie ich selbst mich sehe und (v)erkenne, sieht mich keiner. Damit muß es etwas auf sich haben.
So bin ich nun im Langsamen angekommen und möchte auch morgen langsam ankommen, sofern ich fahre. Ob die Zeit zwischen den Jahren eine Zeit des Reisens sein sollte, frage ich ernstlich und seit Jahren. Aber da haben wir doch endlich einmal Zeit, ohne unbedingt arbeiten zu müssen. Urlaubstage, Erlaubnistage, wir dürfen uns entfernen. Deshalb langsam reisen, wenn schon gereist werden muß.
Draußen wird fleißig geschossen, die Kanoniere stehen bereit. Böse Geister sind ein Ziel, das nicht mit Kugeln oder Krach erledigt werden kann.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.