Als ich in die Schwierigkeiten geriet, habe ich gefragt: Wie bin ich denn gemeint? Ich habe dabei nicht an Gott gedacht, nicht an Religionen. Ich wollte wissen: Was hat es mit meiner Existenz auf sich? Mir wäre lieb gewesen, ich hätte wenigstens geahnt: Wozu bin ich hier, was läßt sich tun? Das sind ganz natürliche Fragen, und vielleicht lernt man später, sie wegzuschieben oder für kindlich zu halten. Ich kann nicht für andere sprechen, doch mir blieben sie wichtig, und sie sind es bis heute. Ich frage sie noch. Die zeitgemäßen Antworten auf solches Fragen enttäuschen. Mir ist, als verstünde das versicherte Wissen nicht, daß es wenig nur weiß. Dabei protzt es herum und stellt sich gute Zeugnisse aus. Wer weiß denn oder kann wissen, was ein einzelner Mensch ist? Ich verstehe solche Frage anspruchsvoll, also ganz in die Tiefe hinein, dorthin gefragt, wo die Tränen sind und der Schmerz seine Kammern behütet. Aber die Weisen warnen, daß es Unbefugten nicht gestattet ist, dorthin zu gelangen, wo bereits eine Berührung unermeßlichen Schaden hervorrufen kann. (Die Drogenexperimente geben Auskunft über die Verunglückten der Expeditionen ins Andere oder Abseitige der Vernunft.) Demnach ist Vorsicht geraten. Der Gemeinsinn wird empfohlen, ein gesunder Pragmatismus im Umgang mit unklärbaren Fragen und sogenannten Mysterien. Gott ist eine Letztbegründung, sagen sie, aber bereits das ist Unsinn. Ebenso wie die Fiktion eines Urknalls lachen macht. Wir tappen im Dunkeln und tasten mit allem, was wir haben und noch entwickeln werden, und ertasten stets nur Materie. Daß sich in ihr der Geist verbirgt beziehungsweise zeigt, übersteigt bereits manchen Verstand. Ich gehe derweil meinen privaten Forschungen nach und frage mich durch nach Timbuktu. Derzeit belagert, lese ich schnell noch in der Enzyklopädie.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.