Artgenossen

Die Gier muß man nicht adeln. Daß sie existiert, mag reichen. Gier nach Ruhm, nach Anerkennung, nach Untergang sogar. Man kennt sich im Menschen nicht aus, selbst wenn man einer ist. Der Gier entgegengesetzt wären Verzicht und Askese, beide ebenfalls mit Lustgewinn verbucht, nur anders. Es läßt sich die eitle von der uneitlen Bescheidenheit unterscheiden, man sieht das auf einen Blick. Menschenkenntnis – wie erwirbt man die?


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Artgenossen

8 Gedanken zu „Artgenossen“

    1. Ich mag gleich antworten. Daß das Schreiben die Menschenkenntnis befördert, könnte ich annehmen, wenn wir vorausschicken, daß die Schreibenden die Beobachtenden sind.

      Man könnte sagen: Ja, was sonst können sie sein – denn wenn sie nichts bemerken, wie wollen sie denn schreiben, vor allem: über was!

      Andererseits wird recht klischeehaft geschrieben; man verläßt sich in der trivialen Literatur auf Schemata und schnelle Zuweisungen, simple Wenn-dann-Folgerungen.

      Mich interessiert Menschenkenntnis aber insbesondere außerhalb der Sphäre des Schreibens, nämlich im tagtäglichen Umgang mit „Artgenossen“, und das offenbar von Anfang an.

      Bereits als Kind suchte ich die Begegnungen und schaute von unten an allem hoch und erforschte das Verhalten der Erwachsenen und der Kinder. Ja, da kann man Schaden nehmen. Aber man zieht auch Nutzen.

      Über Menschenkenntnis wäre noch vieles zu wissen und zu sprechen. Man wird damit nicht fertig, das gefällt mir sehr.

      1. L.L. schreibt:

        Nutzen, nicht mit benutzen verwechseln, setzt zum Vorteil gelangen wollen voraus. Die sich einstellenden Erfahrungen führen zur Kenntnis, und zwar eben durch erlittene Schäden. Aha, das führst du also im Schild. Ich ahne es. So tastet und schnuppert man sich an Kenntnis heran. Andererseits: Indem man sein Verlangen, seine Wünsche erfüllt kriegt, gelangt man zwar auch zur Erfahrung – denk nur an einen Hund, der einen Knochen bekommt, wenn er Männchen macht -, doch gewinnt man kaum Kenntnis. Wozu auch?

        1. Ewa schreibt:

          Hochschauen macht als Kind durchaus Sinn, man ist der Erde näher als ein Erwachsener. Menschenkenntnis wächst nicht aus Theorie, sondern aus Menschenleben. Nenn es Schreiben und Schaden – ohne Wachstum und Fühlen bleibt es Behauptung. Einen gemütlichen Sonntag!

          1. L.L. schreibt:

            Schon beim Wachsen und Fühlen entstehen Theorien. Das geht Hand in Hand. Ich war etwa fünf und musste aufs Klo, ein Etagenklo am Ende des Flurs. Stockdunkel war es da drinnen. Der Lichtschalter, ein schwarzer, runder Schalter aus Bakelit, befand sich neben der Toilettentür auf dem Flur. Er war so hoch installiert, dass ich ihn auch auf Zehenspitzen nicht erreichen konnte. Ich streckte mich, hüpfte. Ein Mann, der meine Bemühungen sah, erklärte: Du musst noch sieben Knödel essen, dann geht es. Woraufhin ich die Theorie bildete: Die Knödel sacken zu den Füßen hinunter, wo ein Knödelbrei, eine Knödelmasse entsteht, die, zusammengequetscht durch mein Gewicht, verhärtet. Dadurch wachse ich, werde größe und kann nach sieben Knödeln den Schalter erreichen.

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