Wissende Winde

Unaufhörlich und seit Tagen geht der Wind, er rauscht in den Bäumen, treibt die Wolken wie Herden über den großen Himmel. In unserem Alter, sagte die Bäckererverkäuferin, reagiert man stärker als früher auf das Wetter. Das ist vielleicht gar nicht schlecht, antwortete ich, so erleben wir es intensiver. Sie hielt kurz inne, lächelte dann. Diese Wochen sind eine Rückführung in die Wind-und-Wetter-Erlebnisse meiner Kindheit und Jugend. Es war ein stetes Bangen darum, ob wir einen richtigen Sommer bekommen dürften, oder erneut einen derart verregneten wie die meisten Jahre zuvor. Ende Juni, das lernte ich allmählich, entscheidet sich das Schicksal des Sommers. Hat sich bis dahin nicht ein Hochdruckgebiet über Mitteleuropa aufgebaut und stabilisiert, wird es wechselhaft, regnerisch, unfreundlich. Spreche ich über das Wetter, spreche ich über mich selbst. Es geht windig hin und her, auf und ab. Das Leben ist kein Wunschkonzert, auf die Euphorien folgen die Mühen der Ebene. Immerhin gedachte ich in der Nacht auf Pfingsten der Toten.


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