Es heißt, der Mensch sei ein instinktschwaches Wesen, anders als die Tiere, mit denen er verglichen wird. Auf solcher Annahme oder Beweisführung beruhen Anthropologien. Ich erinnere mich an die Idee, der Mensch sei hinsichtlich spezifischer Überlebensfähigkeiten ein Mängelwesen, dessen evolutionärer Vorteil jedoch darin bestanden habe, fast sämtliche seiner Mängel klug ausgleichen zu können, insbesondere durch Werkzeuggebrauch und planvolles gemeinschaftliches Handeln. Ich erinnere mich der Busfahrten, als ich versuchte, Arnold Gehlens Der Mensch zu verstehen. Ich war Oberstufenschüler eines städtischen Gymnasiums, ein Auswärtiger, ein Dorfkind, eine Stunde mit dem Schülerbus entfernt draußen wohnend auf dem Land, eigene Fragen im Kopf, suchend sowieso, Lebenswelten wechselnd wie noch heute, da ich in Neukölln lebe und in Zehlendorf arbeite, beides Berlin. Wieso beschäftigen mich die Instinkte? Ich meine, wir hätten welche. Soll ich nicht wir sagen? Ich meine, ich hätte welche. Im tv-medialen Verkehrsunterricht sprach man vom siebten Sinn. Es geht nicht allein darum, etwas zu ahnen, sondern um aktivierte Aufmerksamkeit hinsichtlich einer eintreffenden Situation und deren Antizipation. Nicht nur privat, sondern auch politisch ist man auf Instinkte angewiesen. Falls die Biologen murren, schreibe ich sie in Anführungszeichen.
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