Bauernhofkind 2

Ich nenne mich Bauernhofkind, da dort meine ersten neunzehn Jahre stattfanden. Wohnhaus, Scheune, Stall. Hof und Gemüsegarten, nach vorn zur Straße ein paar Blumen für die Schönheit. Hühner, Kühe, Schweine. Dazu als Haustier der Hund, er durfte ins Haus. In Stall und Scheune die Katzen, sie durften nicht. Wir ernteten Gerste, Roggen, Hafer, Weizen, Rüben und Kartoffeln. Die Kühe kamen auf die Weide, zum Melken mußten sie in den Stall getrieben werden, immer mit der Ruhe. Das Verhältnis zu den Tieren ist vollkommen unsentimental, auch wenn die Kühe Namen bekamen. Edith, Gerda, Senta. Ich liebte ihre feuchtschimmernden Augen und liebe sie noch. Ich verabscheue Tierquälerei, wie ich Menschenquälerei verabscheue. Die Jungs spielten schlimme Streiche: der Katze eine Blechbüchse an den Schwanz, daß sie sich totrennt, Frösche mit dem Strohhalm aufblasen, bis sie platzen. Spielfeld der Grausamkeit. Die Sache mit der kleinen Katze (siehe unten) war kein Vergnügen. Es war ein Versuch, mich der bäuerlichen Wirklichkeit zu stellen. Mein Mitleid erschien mir lähmend groß, ich würde daran zugrunde gehen. Auch aus solchen Konflikten besteht das Leben. Die Bürger geben die Katze zum Tierarzt, der macht sie steril. Das gab es auf dem Dorf nicht, damals jedenfalls nicht, als es dort nur so wimmelte vor Leben.


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