Ich erlebe die Leute, die mir begegnen, ob ich sie kenne oder nicht, als zusammengedrückt, vorsichtig, ängstlich. Heil durchkommen irgendwie – durch den Tag mit seinen Anforderungen und Pflichten, durch die Gespräche über heikle Themen. Vieles scheint heikel dieser Tage und Jahre. Umschwirrt von Ismen – das sind so kleine Götzen mit Millionengefolgschaft und Glaubenshandlungen mit klarer Feindbildausrichtung. Langweilig, nervtötend, öde (unfruchtbar). Zu jedem Ismus gibt es einen Anti-Ismus, wer hätte das gedacht. Deutschland im Pro-Kontra-Krieg, das nennen sie hier Kulturkampf. Als hätten nicht neuerlich alle recht, und zwar jeder auf seine Weise. Dazwischen, wie gesagt, die wenig begeisterten, fast schon apathischen Leute, zusammengedrückt und hilfsbedürftig. Sprich sie nicht an, sie reagieren wie auf Stromstoß. Mein guter Freund Lothar fragt, ob ich wüßte, warum die Menschen fortdauernd politisch glauben wollen, dann machten sie sich doch unweigerlich zu Agenten einer Sache, die sie nicht ausreichend durchschauen. Warum für andere streiten und kämpfen, mit denen man weder befreundet ist, noch es zu sein sich wünscht? Ich erwarte keine Erlösung, sondern die Erschlaffung der Fundamentalismen samt ihrer aufgeregten Anhängerschaft. Am Ende werden wir miteinander leben müssen – im Gegeneinander bluten wir aus.
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