Neues Jahr, fünfter Tag

Ich möchte den Schnee bejubeln und die klare Kälte feiern – Spaziergänge unter malerischem Himmel in den Kaltfarben des Winters – doch das gelingt nicht, da sie im Südwesten der Stadt weiter frieren und im Dunkeln warten müssen, bis die sogenannte Infrastruktur wieder steht. Ich habe nichts gegen ein Wort wie Infrastruktur, also Innen- oder Untenordnung, denn solche trägt und bewältigt sämtlichen Verkehr: Güter, Waren, Lebewesen, Informationen. Doch ich spüre die Kälte des Begriffs und möchte dorthin, wo gesehen und gefühlt werden kann, was ein Zusammenbruch von Infrastruktur bedeutet. Er bedeutet nichts Leichtes und schon gar nichts Lustiges, auch wenn die Spötter und politischen Zyniker breitärschig sitzen und von nichts eine Ahnung haben müssen. Sie wird nicht abverlangt. Ignoranz kennzeichnet Menschen. Werden die Spötter selbst zum Opfer einer unheilvollen Situation, sprechen sie anders, hoppla. Man kann ihnen das Nachdenken und Mitfühlen nicht hinterherschmeißen. Noch ist nicht ganz klar, wer für den Anschlag auf die Stromversorgung zuständig ist, auch wenn es ein Bekennerschreiben gibt. Immer langsam mit den jungen Pferden. Daß im Südwesten der Stadt ‚die Reichen‘ wohnen, scheint für einige zu implizieren, daß sie kein Mitgefühl aufbringen müssen. Wie kaputt kann man sein? Offene Frage. Das Muster ist bekannt.


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