Quersumme zehn

Fast täglich schreibe ich ins Tagebuch, zu Beginn jedesmal Zeit und Ort. Ist es mir alle vergangenen Jahre so ergangen, daß ich eine Zeitlang, manchmal bis in den Februar hinein, versehentlich im neuen noch das alte Jahr notierte, bei ansonsten korrekter Datierung, ist es in diesem Jahr unheimerlicherweise nicht so. Ich schreibe zuverlässig und stur 2026. Als sei irgendwas anders, als sei es unmöglich, sich diesbezüglich zu irren. Als sei die Zahl aufgeladen und stark gefeit gegen sonstwas. Was Energien sind, wird physikalisch, medizinisch und psychologisch beantwortet. Manchmal spürt man sie. Der naßforsche Historiker nannte das vergangene Jahr das letzte im Frieden, versetzte sein Orakel- oder Insiderwissen aber mit dem Notausgang- und Nagel-mich-nicht-fest-Adverb „möglicherweise“. So hat er mich gefangen, so starre ich auf 2026 wie das sprichwörtliche Kaninchen auf die Schlange. Vielleicht weiß der Typ ja mehr als ich. Ich stamme bäuerlicherseits aus einer abergläubischen Familie. Da reichte es, mit der verkehrten Hand zu schreiben. Schon sah das Unglück seine Chance. Das war zu Zeiten, als mein Vater ein kleiner Junge war. Deshalb steckt das in uns, jedenfalls in mir. Deshalb auch reagiere ich auf Unkereien und sogenannte Prophezeiungen, bin sogar empfindlich, wenn Namen vergeben werden.


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Quersumme zehn

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