Die Stille zwischen Blitz und Donner

Ein Gewitter kam über uns am frühen Sonntagnachmittag. Ich lauschte dem Donner und zählte die Sekunden. Die Götter sind zornig, wird man früher gewußt haben – in jener alten Zeit, an die wir nicht reichen. Jemand mußte verantwortlich sein für Unheil und Glück, und ein jeder wußte, man selbst war es nicht.

Ich bin froh, daß ich im Hier und Jetzt lebe – und spüre sogleich, daß dies eine Unsinnsaussage ist. Vielmehr möchte ich froh sein, auf die Art und unter den Umständen zu leben, unter denen anzutreten ich gezwungen, erwählt oder lediglich dem Zufall unterworfen hineingewürfelt wurde.

Ein Gewitter ist keine Kleinigkeit. Als wir Kinder waren auf dem Dorf, hatten wir, obgleich in evangelisch-lutherischem Territorium beheimatet, eine Heidenangst vor solchem „Wetterereignis“. Ich lief, zehnjährig, sogar eigens hinaus aufs Feld, um herauszufinden, ob ich erschlagen werden sollte. Es ging gut, ich lebe.


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