Verteidigung des Wirklichen

Die Sommerferien sind zum Greifen nah – wie Kirschen von der Leiter aus, die in den Baum gestellt ist. Ein gutes Kirschenjahr, die Äste hängen voll. Saisonobst. Erdbeerzeit. Stachelbeerzeit. Windige Tage nun, kühl die Nächte, etwas Regen. Die große Hitze marschierte beiläufig durch, bescherte schlafarme Nächte. Wann war das doch gleich? Ja, vor eineinhalb Wochen. Seitdem Mischwetter mit Wolkenhimmeln und schnellem Luftmassenaustausch. Letzter Schultag für Brandenburg und Berlin, für Schüler und Lehrer, für Kinder und Erwachsene. Zeugnisrituale und Initiationen. Als ich heute Tom Sawyer kaufte, nicht ihn, sondern das Buch, nahm ich Guy Debord gleich mit – Die Gesellschaft des Spektakels (1967). In der Vorrede von 1992 schreibt er: „Ich bin nicht jemand, der sich korrigiert.“ Zwei Jahre später korrigierte er, indem er sich das Leben nahm. Ich erkenne Anklänge an Carl Einstein, Die Fabrikation der Fiktionen. Eine Verteidigung des Wirklichen (1933/34, ed. 1979), und weiß nun, durch wen Jean Baudrillard sich inspirieren ließ. (Adorno ist ebenfalls nicht weit.) In welcher Zeit also leben wir, wer führt sie uns vor, was spielen wir ab, wenn wir von leben sprechen?


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Verteidigung des Wirklichen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert