Was ist los? – Nichts ist los. Rentnerland, Sprachlosland. Man klappert durch die Gänge und drückt auf den nächsten Knopf. Fahrstuhl hoch oder lieber hinunter. Gut, daß es nicht mehr so heiß ist. Man kommt ja kaum mehr zum Denken. Als hätte das erkennbar jemals stattgefunden. Man findet sich ein im vorformatierten Einverständnis, schaut die Nachrichten wie früher, als sei es wie früher. (Es ist nicht früher, es ist jetzt.) (Daß mir nun lieber ist als jetzt, wurde bereits ausgeführt.) Wer früher aufsteht, kann eher arbeiten. Während man arbeitet, muß man nicht denken. Das ist löblicher Verzicht. Nichts ist los – sie machen alle weiter wie bisher. Die einen stapeln Steine hoch, um eine Brandmauer aufzuschichten, die anderen sagen, so schlimm sind wir gar nicht. Ich vermisse Humor. Da es aber um Jobs geht, die eigene Zukunft und Plätze am spendenden Busen von Mutter Staat, ist das politische Gerangel beachtlich. Das drückt auf die Wähler, die sich stimmlich entlasten. Wohin treibt Deutschland? jodeln die Moderatoren und schauen in die Kamera, als sei sie das eigene Kind oder eine weitere ermahnenswerte Person. Profis. Mich beschäftigt das Unseriöse der Seriösen. Dem gehe ich nach. Die Parteien und Gegenparteien können mich. Das erkennbar Intellektuelle unserer Republik ist bescheiden, selbst die einstigen Allesversteher gurgeln repetitiv vor einem Spiegel zerspringender Selbstimagination. Vor zehn oder fünfzehn Jahren behauptete ich, daß die anstehenden Probleme allein politisch nicht mehr zu lösen seien – wir benötigten eine neue Kultur. Daß die Verhältnisse wie ein Schiff weitertreiben, bis es an etwas zerbricht, macht mich beinahe wahnsinnig. Wie kann man denn nicht erkennen, was gerade passiert! – Was ist los? Scheinbar nichts ist los. Es wird Fußball gespielt, der Fernseher läuft, im Supermarkt gibt es zu kaufen. Die Kriege sind woanders. Der Fahrstuhl ist defekt. Jetzt wird es ernst.
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