Seit mindestens fünf Jahren bin ich halbtot. Man mag das für eine Übertreibung halten, ich halte es für eine Untertreibung. Sollte ich auf die Schnelle erklären sollen, was mich ereilt hat, daß ich derart in ein Siechtum geriet, also eine Schrumpfung, eine Einpressung, ein Gemindertwerden, wäre ich darauf angewiesen, verbrauchte Wörter und Erklärungen anzubieten. Das tue ich nicht. Ich spüre (nach und nach) eine Befreiung, ein Leichterwerden. Gewichte fallen ab, Panzerungen sind unnötig. Der Prozeß der Rückgewinnung und Fortentwicklung findet ruckweise statt. Oft bin ich nun schon glücklich aus einfachsten Gründen. Ich kann Menschen spüren, wie ich es einst doch konnte. Mich rühren Szenen des täglichen Geschehens. Ich fühle mich nicht mehr persönlich angegriffen. Das ist entscheidend. Die Angriffe auf meinen Verstand gehen weiter, doch ich kann sie besser abwehren.
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