Ein Tropfen nur

Ein Tropfen klingt auf dem Zinkblech der Fensterbank. Neagley ermittelt. Der abgeschnittene Finger mit grünem Nagellack lag im Schlamm des Schweinepferchs. Auch das sind Weltausschnitte des Handelns und Zeigens. Ich weiß nicht, was mit den Filmern und den Filmen los ist. Gewalt zündet beide an. Als würden wir, die Gaffer, die Gewalt suchen und wüßten, wo sie zu finden ist.

Seit zwei oder drei Jahrzehnten sehe ich verstreut über die Hervorbringungen des Filmsektors Folterszenen, die im echten Leben dazu führten, daß ich sie zu verhindern trachtete oder mich übergäbe. Doch ich schaue sie kulturell und frage, was hier los ist. Wobei ich mit hier zur Not den halben Erdball meinen müßte.

Die Welt ist voller Gewalt, ich weiß das schon. Sollen die Filme als Lehr- und Modellvorführungen desensibilisieren, wäre dies ihre erzieherische Funktion? Spricht das kollektive Unbewußte und speit über die Filmwirtschaften die Alpträume einer Kultur aus, die in der Schule der Grausamkeit erzogen wurde und diese fortsetzt? Nach außen wird Liebe und Verständnis geflaggt, ins Innere spitz und zielgenau zur Erzeugung von Wunden und Schmerz unaufhörlich gestochen und in Wunden gewühlt? Wie im Wahn einer generationenübergreifenden Amnesie? Die Gewalt dürfte sich ihrer selbst nicht bewußt werden.

Kürzlich war ich bei den ironischen Jahrgängen angelangt. Die sind in den Siebzigern und Anfang der Achtziger geboren, die haben jetzt Posten inne und flöten stoßweise aus den Feuilletons, daß ich ihnen schwer zuhören kann. Abgepolsterte Ironie als eine Art blasiert-informiertes Medienwissen schnattert im Gespensterwald, fürchtet den Zustoß der ängstigenden und mit fast schon allen Mitteln zu vermeidenden Lebens- und Sterbenswirklichkeit, die sich nicht auflösen läßt in Bilder, Symbole oder Zeichen individuellen Auftrumpfens.

Informiertsein als ein In-der-Form-Sein. Ort und Zeit entscheiden. Wer gab die Form vor, wer nahm sie an? Ach, ihr süßen Kritischen.

Wer hat übrigens je behauptet, daß das Leben lustig ist? Walt Disney vielleicht, doch der sprach ja unaufhörlich von Schmerz. Daß er zu Markte getragen wurde, nimmt nicht wunder. Die Systeme fressen alles und jeden. Insofern ist es durchaus von Belang, was wir tun und was wir lassen. Das gute Leben? Nein, nur das Leben.


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