Lange Wege, schnelles Handeln

Manchmal denke ich: Selig die Zeiten, als eine Nachricht vom anderen Ende der Welt Wochen oder Monate benötigte, um in den Zentren und zeitversetzt an der Peripherie des gesellschaftlichen Lebens anzukommen. In jenen fernen Zeiten war anders Eile geboten als heute. Die Übermittlungsdauer der Nachricht trug Dringlichkeit ab. Interventionen fanden zeitversetzt statt, auf Grundlage einer möglicherweise veralteten Lageeinschätzung. Ein vor Wochen gemeldeter Aufstand konnte längst niedergeschlagen, ein stolzes Expeditionskorps von der gefräßigen See verschluckt worden sein. Die schlimmen Nachrichten trafen plötzlich ein: durch einen Kurier, einen Handelsreisenden, einen Korrespondenten. Stets mußte die Schleppe der vergangenen und vergehenden Zeit mitbedacht werden. Dies wirkte mäßigend. Andererseits: die Phantasie springt ein, wo „wirkliche“ Bilder fehlen. Die Vorstellungskraft eines Menschen ist unauslotbar. Dort lauert eine Gefahr, die durch sachliche Information gebannt und sukzessive ausgeräumt werden kann. Man muß sich die Aktualität vom Leibe halten, dann läßt sich halbwegs souverän (d.h. selbstgesteuert) leben. Dann hört man auf, dauernd nur zu reagieren.


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