Wer schneller zieht

Der andere hat es so gewollt. Treffen auf der Straße, das Abschreiten der nötigen Distanz, Anlegen, Zielen, Feuer. Nun sinkt er in den Staub, zuckt noch etwas, stirbt. Der Sieger des Duells verstaut den Revolver im Holster, spuckt aus und kehrt zurück in den Saloon, wo die anderen am Tisch auf den Pokerpartner gewartet haben. Unangenehme Sache, besser man denkt nicht zu sehr darüber nach. Als er sich an den Tisch setzt, ist sein Gesicht unbeweglich wie eine Maske. Er spielt weiter, gewinnt und verliert. Der Whisky brennt die Speiseröhre hinunter, und für einen Augenblick ist ihm, als sei auch er getroffen und müsse sterben, dem armen Schwein dort draußen, das sie eben auf einen Karren geworfen haben und zum Bestatter ziehen, hinterher. Ihm ist recht undeutlich, warum ausgerechnet er dauernd überlebt, während andere ins Gras beißen. Weil er schneller zieht? Ist nur Glück, denkt er, steht auf, begleicht seine Schuld, verabschiedet sich mit einem kurzen Nicken und steigt die Treppe hinauf zu seinem Zimmer. Am Himmel die Sterne, vermutlich vollzählig. Niemand hat sie je gezählt. Vielleicht gibt es welche, die es Nacht für Nacht probieren, aber niemals damit fertig werden, weil sie sich immer wieder verzählen oder nicht mehr genau wissen, ob sie den einen Stern dort unten links mitgezählt haben oder nicht. Darüber denkt er kurz nach, während unten die letzten Gäste nach Hause gehen.


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