Wandern

Daß die Schönheit scheu ist, sollte bekannt sein. Sie möchte sich nicht erkannt wissen, da sie jenes, das alle meinen sehen zu können, nicht an sich vermerkt. Sie lebt und atmet inmitten von Mißverständnissen und Fehldeutungen. So gerät sie dahin, sich zu verbergen, sogar vor sich selbst. Es folgen die langen Jahre, deren Kennzeichen das Warten ist. Ein Warten, das aus Hoffnung, Sehnsucht und Verzweiflung zusammengerührt ist. Nichts bleibt erspart. Sogar die Freunde wenden sich ab. Es beginnt die Zeit der Wanderschaft, der inneren Obdachlosigkeit, hin zu jenem Selbstgefühl, hier auf Erden falsch zu sein. Und keine Ideologie liegt griffbereit, um das aufzufangen oder abzuwenden. Die panischen Ideen, in diese oder jene Sicherheit zu kriechen und sich dort zu verstecken, greifen nicht. Weiter durch Regen und Wind, von Schwierigkeit zu Schwierigkeit, von Erleichterung zu Erleichterung, von Anspannung zu Entspannung, immer weiter, weiter, fort, fort, hin. Daraus wird kein Schlager, kein Refrain. Geht es gut aus? Wer weiß. Die Schönheit findet ihre Wahrheit, gemeinsam wandern sie weiter. Die Welt ist rund und bunt. Die Ziele sind nicht ausgemacht. Die Schablonen dürfen dienen, aber nicht herrschen. Die Welt als Wille und Vorstellung. Jenseits dieser beider liegt eine andere Wirklichkeit, gewiß sogar diesseits. Sonst käme der Schönheit nichts mehr zu als der Sturz in die Kälte der Unbarmherzigkeit. Ich aber glaube an eine große und weite Heimat des Schönen. Die Frage jedoch bleibt: ob ein Mensch sich selbst zu verstehen vermag, und sei es, das Schöne in sich zu bemerken. Ich denke, daß ein Mensch das kann. Daraus folgt viel.


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