Tanz des Mungo (nach Hannibal Lecter)

Sicher hat es etwas Frivoles, sich vor dem Fernseher oder einem anderen Bildschirm die tödlichen Kämpfe der Wildtiere anzuschauen. Das Krokodil schnellt aus dem Wasser und ergreift das Zebra, reißt es in die Flut. Gestern jedoch stieß ich auf den Mungo, den sie in Indien als Beschützer der Menschen verehren, da er in der Lage ist, giftige Schlangen zu töten. Er nähert sich der Kobra, die sich aufgestellt hat und ihn warnt. Ihr Nackenschild beeindruckt den kleinen Raubjäger nicht im geringsten. Er fordert sie frech heraus, täuscht einen Biß in ihren Leib vor. Sie stößt zu, stürzt ins Leere. Der Mungo ist zu schnell, er tanzt sie aus. Er umkreist sie, ein wenig lässig, ein wenig verspielt, und provoziert weitere Versuche der Schlange, ihn mit ihrem Gift zur Strecke zu bringen. Endlich ist sie erschöpft, wird unachtsam. Dann beißt er blitzschnell zu, seine scharfen spitzen Zähne graben sich in die Stelle hinter dem Kopf der Kobra.

Der Indische Mungo mißt etwa vierzig Zentimeter. Er läßt sich als Haustier halten, zum Schutz vor Ratten und Schlangen. Auch mit der extrem schnellen und hochgiftigen Schwarzen Mamba nimmt es ein Mungo auf. Eigentlich sollten sie sich nicht begegnen, denn ihre Verbreitungsräume sind deutlich getrennt. Doch hat man den Mungo als Rattentöter in alle Welt geschickt.

Mads Mikkelsen spielt Hannibal Lecter in der NBC-Fernsehserie. Durch ihn bin ich auf den Mungo gestoßen. Der Psychiater und frühere Chirurg Lecter sagt, er sei der Mungo, der unter dem Auto sitzt und auf die Schlange wartet (um sie für den Patienten zu töten). Ein Mungo? Ich fand die Kampf- und Tanzfilme und staune noch immer. Wir Menschen haben große Angst vor Schlangen. Einen weiteren Satz von Dr. Lecter habe ich mir gemerkt: Angst ist der Preis für großes Vorstellungsvermögen.


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