Chiffre R

Ich möchte endlich einmal wieder romantisch sein. Blödes Denken wie die anderen. Ich bin ja schon Nutzvieh geworden über die Jahre. Logik aus dem Setzkasten. Die Grundrechenarten des absoluten Scheiterns gelernt, des Scheiterns vor sich selbst. Idiotisches Verständnis entwickelt für Prozesse und Bewerkstelligungen des ultimativen Wahnsinns, nur um nicht aufzufallen als jemand, der anders gebrandmarkt wurde. Was das war und wann das war, puh. Ich bin älter als die Gegenwart, was möchte sie mir mitteilen? Daß dieses zählt und jenes gilt. Das weiß ich doch längst. Ich möchte etwas anderes. Ich möchte wieder romantisch sein und spüren, was wirklich gilt. Der Rest fummelt sich zurecht, wie Staub sich legt, wenn man ihn nicht unnötig aufwirbelt. „Warum gabst du uns die tiefen Blicke“ (Goethe), doch nicht wegen der Zukunft, dieser Anbetung aus Hoffnung, Vertrauen und Verzweiflung, sondern zu Besserem, dem sinnlichen Verstehen, und zwar jetzt. Ich werde ja allmählich blöd und blöder mit meiner Gesellschaftsfähigkeit und den Manieren links und rechts. Ich verstehe bereits den Henker, wenn ich ihm auch nur eine einzige Geschichte noch abkaufe. Er rechnet bereits mit mir, ausgerechnet ich soll ihm Absolution erteilen. Man kommt langsam vor die Hunde, nicht schnell.


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