Ein bewegter Himmel, viel Bewegung am Himmel. Mal ist er blank und blau mit Platz für vieles, beim nächsten Blick aus dem Fenster ziehen Wolkenherden nach Südosten. Einmal war es schlammig dort oben, ein zusammengerührtes braunes Grau. Ich blickte eben auf einen Text, dort stand Urverständnis, ich las Unverständnis. Nun strahlt es im Weltausschnitt vor meinem Fenster, die Rosen sind rot, als blühten sie für die Liebe, die Weinblätter wirken noch saftig und verfärben sich bereits, ein ausdauernder Wind ist unterwegs durch die Flure und Gassen, hebt an und hebt ab. Ich stand auf dem Teppich und dachte, daß ich die Existenz mancher Menschen einfach nicht fassen kann. Ihr bloßes Vorhandensein, daß es sie gibt, daß die Welt das schaffen konnte, erscheint mir als Wunder. Ich bin von diesem Wunder derart ergriffen, daß ich nicht die passenden Worte finden kann. Es ist doch ganz sicher nicht normal, daß jemand da ist. Viel wahrscheinlicher ist doch, daß er nicht da ist. Es hilft mir auch nicht, daß ich mir aus Namen und Fakten eine größere Wahrscheinlichkeit ihrer Existenz zusammenzähle: Eltern, Geburtstag, Geschwister, ein Elternhaus und alles weitere noch dazu. Ich verstehe sie trotzdem nicht, das Wunder will nicht weichen. Daß ich einen solchen Menschen berühren kann, macht alles noch viel schlimmer. In einem solchen vorgewagten Augenblick müßte ich auf der Stelle tot umfallen. Ich spiele wie alle anderen auch Normalität, doch ich bewege mich mit der Sicherheit eines Schlafwandlers im Wunder. Dadurch bin ich manchmal realitätsuntauglich, denn Realität ist die Welt ohne Wunder. Wenn ich jetzt die getriebenen Wolken sehe, wird mir ein wenig bang ums Herz. So viel Weite und Ziellosigkeit. Eine jegliche Bewegung, um Ausgleich zu schaffen. Wir turnen hier mit und sagen etwas von Zeit zu Zeit. Dazu unsere brüchigen Schwüre und ein paar Pläne, um dem Taumel der unabsehbaren Weite zu entgehen und ein paar Peilstangen wie Speere in den Nebel vor uns zu schleudern. Dorthin führt der Weg. Das alles ist derart blind und töricht, daß mich ein unaussprechliches Mitleid mit der emsigen Kreatur erfaßt, die tapfer weitermacht und glaubt und hofft, ins jeweilige Spiel versunken wie ein Kind, und äußerst streitbar, wenn man ihm die Schaufel wegnimmt oder Steine in den Eimer füllt. Große Anrufung der gerechten Gewalt, doch die gerechte Gewalt ist für immer fort, denn wir sind schon alt und regeln nun selbst. In solcher Verhältnismäßigkeit müssen wir es aushalten, mitten im Wunder Tag für Tag. Mir steht der Schweiß auf der Stirn, die Schrecken der Schönheit sind unermeßlich.
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