Vision K

Mein Blick irrt über ein Schlachtfeld des Ersten Weltkriegs. Da liegen die Toten mit verrenkten Gliedern und entstellten Gesichtern und sind ein Anblick. Die Kamera hat das eingefangen, jemand führte diese Kamera. Die Kamera ist ein Objekt, der sehende Mensch ist ein Subjekt. Das bedeutet, daß er denkt und versteht. Jetzt schaut euch das an, möchte er den Verantwortlichen zurufen. Schaut euch das doch mal an, das ist das Ergebnis von eurem Blödsinn. Die Ehre und der Stolz des Vaterlandes liegen vor mir, vor euch, so sieht das aus.

Natürlich machen sie weiter und führen noch einen Krieg. Mal sehen, ob es diesmal nicht besser klappt, denken sie. Ein Sieg, die Ehre, Abzeichen, Triumphmärsche (der ganze Klimbim), die volle Selbstbestätigung durch den Sieg. Die Massen jubeln. Eine Ausdehnung der Grenzen und der eigenen Geltung. Prosperität durch Raubzüge und Erpressung. Erfolgreich die nationalen Komplexe bekämpft.

Wir sind nichts wert, ich bin nichts wert, die anderen sind schuld. Europäische und außereuropäische Heulsusenprosa. Eine endlose Reihe an Korrekturkriegen folgt. Die Korrektur der Korrektur ist fällig, in die Gräben, marschmarsch. Derweil noch ziehen sie sich zurück in ihre armseligen Festungen und jodeln ihre Hymnen und greifen sich ans Herz. Überall diese Fahnen, die nach Blut riechen. Wenn das die Ehre sein soll, verzichte ich.

Sehen sie denn nicht, können sie wirklich nicht hinter den Horizont sehen? Dort spielt es sich doch bereits ab. Nein, sie rufen es herbei, ohne es zu erkennen.


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