Landregen nachts, ein Wispern und Flüstern. Leise ist die wirkliche Macht. Mit dem Regen im Ohr einschlafen, im Trockenen und geborgen. Weniges ist schöner als so zu liegen und ruhig zu erwarten, daß ich hinübergeführt werde ins Reich der Träume oder ins Reich einer anderen Erreichbarkeit. Der Regen wäscht die Straßen und Plätze, er reinigt die Dächer. Er reinigt auch die kaputten Seelen, in denen alte Qualen aufsteigen, die sich zu Gehör bringen über einen jeweils Lebenden. Das liegt an den Geistern, die sich anheften und einen Menschen zu besetzen und zu benutzen trachten für ihre alten und unbezahlten Rechnungen. Ein schmutziger Deal. Sie wollen junges Blut, und wenn sie junges nicht bekommen, nehmen sie altes. Der Vampirismus beruht auf diesem Prinzip der Aussaugung des Gegenwärtigen durch das Vergangene, das sich darzustellen trachtet und vermag. Es tropft von den Dächern und aus den Rinnen, es tropft von den Blättern und Zweigen. Ruhe in Berlin, doch ein paar Leute drehen durch. Wir durchleben schwere Zeiten, in denen Nervenstärke zählt. Angst für Deutschland macht sich breit. Streßsymptome. (Das Spiel gegen die Ukraine glich phasenweise einem Boxkampf. Es ging hin und her. Dann begann die Einschnürung. Kontrolle, eine Lieblingsvorstellung.) Die Welt verändert sich. Das Problem der Konservativen: Sie verteidigen einen Zustand, den es nicht mehr gibt. Sie leben nicht in der Wirklichkeit. Diesen Taumel teilen sie mit den Progressiven, die ebenfalls nicht in der Wirklichkeit leben, sondern in der Möglichkeit, vermutlich nicht einmal in ihr, sondern lediglich in der Wünschbarkeit. Das ist ein Unterschied. Wäre es nicht schöner, wenn … Nein, es ist nicht schöner, wenn etwas nur schön wäre. Das wirklich Schöne ist schön und hat mit Utopie nicht das geringste zu schaffen.
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