Bedingt verführbar

Mit wem ich spreche – sie ringen um ihr Leben. Ob alt, ob jung, ob etabliert oder desorientiert. Materiell mögen die Verhältnisse noch halbwegs geregelt sein, seelisch-geistig herrscht Aufruhr. Leiser Aufruhr, wirksam und lange nachwirkend wie nach einer Erschütterung, einem innerem Beben, das sich äußerlich bestätigt weiß. Als werde derzeit sichtbar oder spürbar zerstört, worauf bisher gesetzt werden konnte und verläßlich erschien. Tagsüber fahren die Bahnen und öffnen die Geschäfte, fernsehermäßig erscheinen die Gestalten des öffentlichen Lebens und sprechen ihren Sermon – nur weiß niemand so recht, worauf sich der reimt oder in welch anderem Verhältnis er zur Wirklichkeit steht. Gut, klar, logisch, wir machen weiter wie bisher. Tatsächlich funktioniert alles. Das System könnte sich erneut stabilisieren, wie es das viele Male bereits tat. Vielleicht fühle ich übertrieben, vielleicht zeige ich nichts an außer meinen eigenen Zustand. Doch was zeigt der an? Ich bin sehr ruhig, die Unruhe geht in die Texte. Das beschäftigt mich. Ich bin nicht meine Texte, meine Texte sind nicht ich. Das zu verstehen ist wichtig, vor allem für mich selbst. Sonst komme ich in Teufels Küche, wo sie nicht abgeneigt sind, jemanden wie mich zu erwarten. Doch ich durchschaue die Absichten zu schnell, deshalb will mich niemand haben, der etwas im Schilde führt.


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