Einen Tag retten, indem man ihn wendet. Raus auf die Straße und hinunter zum Platz der zerbrochenen Gepflogenheiten. Hinter mir ein Rollstuhlfahrer, der so laut telephoniert, daß die Toten auf dem Friedhof jenseits der vierspurigen Straße, die nach unten stürzt wie eine Asphaltlawine, um sich zu zerteilen in ihre Spuren, zuhören müssen. Was er brüllend von sich gibt, klingt so: Du mußt da draufdrücken, da draufdrücken, kräftig, ja, da draufdrücken, drück da drauf. Bist du blöd, du mußt da draufdrücken. Hoffentlich verblutet niemand am anderen Ende der Funkverbindung. Wir sind unten, da steht der braungebrannte Rumäne mit dem Schnurrbart und hält uns den Pappbecher entgegen. Er sieht nett aus, wie aus einem der früheren Filme von Emir Kustorica. Über den niemand mehr spricht. Lebt er noch? Ist er demokratisch? Vor der Tür zum „Servicecenter“ der Bank bleibt ein Mann in Schwarz plötzlich stehen, steht da angewurzelt wie ein Denkmal für die Unbeweglichkeit des Beweglichen. Das Denkmal spricht mich an, als ich an ihm vorüber möchte, fragt mich, ob ich mich erinnere. Ich erinnere mich sofort. Der Mann in Schwarz nimmt nicht die schwarze Brille ab, auf die ich deute. Nein, das darf ich wirklich nicht verlangen. Nicht das, denn dann wüßte ich es ja. Er ist einer aus der schlimmen Zeit, als es ans Sterben ging, als der Tod ein und aus ging. Ja, er versteht, und er macht eine Bewegung, die viel verrät. Ich weiß nun, daß es nicht besser geworden ist. Möge er die Brille aufbehalten. Er versteht, daß ich mich nicht mit ihm unterhalten werde, nicht allzu lang. Genau genommen nur diese drei Sätze. Der zweite lautet: Lange nicht gesehen, ist sehr lange her. Stimmt, sagt er. Du siehst gut aus, sagt er noch. Das ist freundlich, und ich würde das Kompliment gern zurückgeben. Doch dazu müßte ich die Augen sehen. Die hält er weiter verdeckt. Wir sprechen nicht über sie und über ihn. Denn das sind beides Leute aus der schlimmen Zeit.
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