Am Himmel die dünngeschliffene Sichel des Mondes. An ihr schneidet sich der Blick. Milde Nacht. Ein Flüstern auf den Straßen, als gehe ein Mörder um. Entlang des Heckenwegs ist nicht die Nachtigall zu hören, es ist der Sprosser. (Dessen Stimme ansonsten auch auf deutsche-vogelstimmen.de.) Gegenüber der Nachtigall fehlt seinem Vortrag die Schluchzstrophe. Allmählich sollte man sich verlieben. Die Trinker sitzen wieder trinkend vor den Kiosken. Die Leute haben sich an den Frühling gewöhnt und gähnen nicht mehr so mitleiderregend. Die Balkongärtner stimmen die Bepflanzung ab. Tomatengedanken keimen auf. (Ein Porsche Cayenne röhrt über die freigegebene Kreuzung. Kraft geteilt durch Schönheit ergibt einen eigenartigen Drittwert, doch man sitzt erhaben und kommt gut durch die Matsche.) Eine Frau steigt in den Schacht der U-Bahn. Ihr Kopftuch flattert auf, denn der Zug schiebt Luft aus der Röhre. Mit der Wärme ändern sich auch die Bewegungen. Leben scheint nun etwas Verständlicheres zu sein. Die Mondsichel eignet sich ausgezeichnet zum Schnittlauchschneiden. Sicher gehen irgendwo Mörder um, doch das Flüstern hat andere Gründe. Fast alle sind leise, um das Schöne nicht zu vertreiben. Das macht auch bluten, aber anders.
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