Ich sitze am Fenster und frage mich, ob es in mir aussehen könnte wie draußen. Ob es feuchtkalt und naß ist, ob sich Moos gebildet hat, ob überall totes Material herumliegt, über das ein lustloser Wind geht. Gestern dachte ich noch an einen Spaziergang im nebligen Moor entlang der Weiden, über Entwässerungsgräben hinweg, an eine Stunde in einer Teestube hinter dem Deich, wo ich einen langen Brief zu schreiben beginne. Bin ich heute schon durch mit dem romantischen Grau, siegt die Ungeduld, jenes Ansinnen, wie ich kürzlich las, ein Ziel zu erreichen, ohne im Besitz der dafür notwendigen Mittel zu sein? Keinen Hund vor die Tür bei solchem Wetter. Es nieselt. Lebte ich auf dem Land, schnürte ich meine Stiefel, zöge einen Regenmantel über und liefe mich müde. Hier aber? Gäbe es ein Kaffeehaus nach meinem Geschmack, suchte ich es auf. Immerhin kann ich es mir vorstellen: die Gespräche sind leise, die Kellner diskret. Die Kaffeemaschine dampft und faucht, vor dem Kuchentresen stehen Gäste und können sich noch nicht entscheiden. Ich habe mir einen Gedichtband mitgenommen und etwas zu schreiben, falls was kommt. Man weiß nie, was kommt. Sieh doch, die Menschen sind schön – so könnte ich beginnen. Es liegt am Blick, solches zu entdecken. Das Häßliche und Gemeine möchte mich in seine Geschäfte spinnen, ich soll hassen oder das Fürchten lernen. Ich sitze am Fenster und mag nun das graue Geniesel. Platsch, sagt ein Regentropfen auf der Fensterbank. Platsch, sage ich zurück, aber ich könnte auch ein Lied für den Regen schreiben. Und nun meldet sich eine Amsel zu Wort. Daß ich viel zu oft die Tiere vergesse.
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