Sturz in den Tag

Ein neuer Tag bricht an mit Licht und Vogelsang (dieser Optimismus der Natur) und ohne die Spur einer Ahnung, was er bringen wird. Morgenwäsche, Notfrühstück und hinaus ins feindliche Leben. Auf der Straße steht die Sonne wie eine Wand, der Verkehr tost meeresgleich, er brandet. Die Schallwellen zergischten an den Häusern und spritzen zurück ins Gewoge. Muckefuck – kurioses Wort. Radler unterm Helm keuchen sich den Berg empor. Mittwochspläne kreisen und stoßen hernieder wie Geier. Termine ertrumpfen ihr Recht. To-do-Listen flattern durchs Hirn als Tagesbefehle der Obersten Heeresleitung. Das Gehetzte solch früher Stunden, da die Menschen sich der Maschinerie anheimgeben. Die taktet und waltet und lenkt ihre Diener. Man muß dran glauben, sagt der Lotto-Verkäufer, sonst ist es doof. Dabei ist es doof, auch wenn man dran glaubt. Aber es funktioniert. Darin die Spur eines großen Wunders. Im Wassertank der Kaffeemaschine hatten sich die Ameisen festgesetzt, dem Reinigungsmittel getrotzt und die Erhitzung überlebt. Was für ein Leben!


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