Ein Stilleben mit Ton

Yorckstraße: der Tunnel zum Ausgang, der Tunnel zum Licht. Eine Orgel spielt, aber niemand sitzt am Keyboard. Der Becher für das Kleingeld steht vor, der Hocker hinter dem Instrument, die Kabel enden in einer Art Seesack, der auf dem Boden liegt. Wo ist der Musiker, woher kommt die Musik? Das ist unheimlich. Sicher mußte er mal auf die Toilette – doch auf welche Toilette kann er gehen? Und das Geld, wieso nahm er es nicht vorher an sich? Wer bewacht sein Equipment? Ich schaue mich um – niemand weit und breit. Er hat eine eingespeicherte Melodie angestellt. Zum Glück bewegen sich die Tasten nicht. Da ich selbst nun schon einige Male unsichtbar gewesen bin (diese Geschichte erzähle ich irgendwann später), würde es mich nicht wundern, nur entsetzlich erschrecken. Das Stück läuft weiter, ich gehe weiter, drehe mich um. Niemand in Sicht. Passanten streichen vorüber, schauen nicht einmal hin. Völlig normal offenbar, daß eine Orgel spielt, ohne daß jemand sie bedient. Diese Station hat es mir angetan, den Wartezeiten sei Dank.


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