Geht man nachts noch vor die Tür, wird man naß

Der leise und ergiebige Regen beruhigt die Sinne. Manche Leute, lernte ich vorhin, spielen sich mit seinen Geräuschen in den Schlaf. Nicht die des wirklichen Regens zur Zeit des Zu-Bett-Gehens, sondern die eines aufgezeichneten Regens von irgendwo und irgendwann anders, dem Internet entnommen und in Schlafzimmerlautstärke dorthin übertragen, wo er gebraucht wird. Daß das den wirklichen Regen entwertet, kommt vielleicht wenigen in den Sinn, aber ich spüre an mir, wie sehr mich dieser lang vermißte und tatsächliche Regen sättigt und erquickt. Eben weil ich ihn vermißt habe, hier, fern von daheim, in der sonst doch trockenen Steppe in und um Berlin, wohin das Atlantikwetter nicht reicht, wirkt er so stark. Ich habe ihn vermißt, und nun ist er hier, wie ein seltener Gast, der wichtige Botschaften bringt, die nicht aus Wörtern bestehen. Kein aufgezeichneter Regen könnte das, er wäre mir zu allgemein.


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