Neunzehnter Tag

Kein Traum, kein Alptraum. Leiser Regen, zum Nachmittag Sonnenschein. Ich bin wieder zuhause, Schlaf im eigenen Bett. Berlin ist wohltuend, preßt nicht, sondern läßt. Kaum bin ich aus dem Bus, werfe ich den Rucksack auf die Schulter, laufe die paar Schritte und steige in den Untergrund. Sofort ist mir angenehm: selbst dort unten ist Platz und jeder darf sein. Man hockt nicht auf der Pelle, alles Kleinstädtische ist fort. Ich stehe in der Bahn mitten unter Fremden und fühle mich geborgen, ein schöner Widersinn ist das. Vielleicht werde ich für den Rest meines Lebens in dieser Stadt leben, die so großzügig ist, es niemals zu genau zu nehmen. Berlin umgarnt nicht, schmeichelt nicht, fordert kein Bekenntnis. Seit ich hier lebe und nach Fahrten zurückkehre, ist dieses Aufatmen da. Wie soll man da noch leben? fragte Gottfried Benn einst (angesichts widriger zivilisatorischer Umstände), gab auch die Antwort: Man soll ja gar nicht. In Berlin ist mir, als sei es doch möglich. Willkommen zurück, Heimkehrerin oder Heimkehrer.


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