Der arme Sommer

Der Sommer ist vorbei, sagte die Frau auf dem Fensterplatz im Vorortzug zu ihrer Freundin. Ach, der Sommer — sprach etwas in mir oder fühlt sich — der Sommer ist nicht greifbar, war er nie, er wird idealisiert und romantisiert, und da er das wird, hat er nie eine Chance, wahrgenommen zu werden als das, was er in Wirklichkeit ist: so flüchtig und schwer wie die Zeit selbst. In sie hinein werfen wir unsere Wünsche und Erwartungen und sagen dann. Dann nämlich werden wir jenes tun, was uns sonst versagt ist: reisen, lieben, leben. Dann wird auch das Glück eintreffen wie ein Zug, der pünktlich ist, denn dann sind die Voraussetzungen erfüllt für Glück und all das andere. Wir sind Kinder, nie erwachsen geworden, nicht wirklich, wann denn auch? Wir wünschen uns was vom Pferd. Und mit welcher Emphase! Die GROSSEN FERIEN, nicht die kleinen! Das Ende der Sklaverei, ENDLICH! und voller Begeisterung begrüßt und begonnen, um zu enden im Graubunt und Einerlei gewisser Sorgen und bekannter Mißhelligkeiten. Laß den Sommer in Ruh‘, dachte ich, hielt aber den Mund. Kurz darauf stiegen die beiden Freundinnen aus, ich blieb noch.


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