„Mit sechzehn kann man an eine neue Welt glauben … man kann tatsächlich an alles glauben … aber mit zwanzig ist man verloren – und man weiß es. Mit zwanzig hängt man fest im Geschirr, und das Beste, was man hoffen kann, daß man mit heilen Armen und Beinen davonkommt. Es ist keine Frage verblassender Hoffnung. Hoffnung ist ein giftiges Zeichen, sie bedeutet Kraftlosigkeit. Mut hat auch keinen Zweck: Jedermann kann Mut aufbringen – für die falsche Sache. Ich weiß nicht, was ich sagen soll – es sei denn, ich benutze ein Wort wie Vision. Und damit meine ich nicht ein projiziertes Bild der Zukunft, von einem verwirklichten vorgestellten Ideal. Ich meine etwas weniger Starres, etwas Beständigeres – ein bleibender Superblick gewissermaßen … etwas wie ein drittes Auge. Wir hatten es einmal. Es gab eine Art von Hellsehen, die allen Menschen natürlich und gemeinsam war. Dann kam der Verstand, und dieses Auge, das uns ganz und abgerundet und jenseitig zu sehen erlaubte, wurde vom Intellekt absorbiert, und wir wurden uns der Welt und einander in einer neuen Art und Weise bewußt. Unsere hübschen kleinen Egos entfalteten sich: Wir wurden selbstbewußt – und damit kamen Dünkel, Anmaßung und Blindheit – eine Blindheit, wie man sie nie zuvor, nicht einmal bei den Blinden, gekannt hatte.“
Henry Miller: Sexus, Kapitel 17
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