Vielleicht opfert sich ein jeder von uns an irgendeiner Front oder auf irgendeinem Altar oder Labortisch. Jedenfalls werden wir beobachtet, inspiziert und bewertet.
Interessant waren mir besonders jene, die sich für die Freiheit opferten. Das gefiel meinem jugendlichen Enthusiasmus, der sich am liebsten an Dinge heftet, die nicht existieren oder nur mit Unterstützung eines Glaubens.
Man nennt das Ideale. Ideale sind die Drachen, die hoch am Himmel kreisen, unerkennbar fast, aber doch noch an der Leine. Das ist wichtig, sie müssen unter Kontrolle gehalten sein, sonst sind es nicht Ideale.
Da ich mit dem Älterwerden die Wirklichkeit in größerem Ausschnitt bemerken kann (bilde ich mir ein) und mich selbst in ihr erkennen (bilde ich mir ein), denke ich über das Opfer anders nach. Ich erkenne in jedem das Opfer, sehe kaum mehr reine Täter.
Bei der Freiheit liegt es so, daß sie sich aus ihrem feindlichen Gegenüber ergibt und von dort Energie bezieht: Tyrannei, Despotie, Vormundschaft. Das historische Lied zu diesem Verhältnis singt Frankreich.
Die Deutschen haben es nicht mit der Freiheit, schrieb Claude Simon in Das Seil. Seiner Beobachtung oder diesem Vorurteil bin ich auf der Spur. Bisher denke ich, daß er recht hat.
Sie lieben hier (in Deutschland) die Vorschriften und die Ordnung, und ich bekehrte mich zu Frankreich, wäre dies sinnvoll oder möglich oder nötig oder glaubte ich nur ein wenig, die Freiheit sei dort in besseren Händen.
Aber sie entzieht sich ja der Hände, die sie greifen möchten. In diesem Sinne ist Freiheit grausam, unzähmbar, widerspenstig. Hochfahrend auch und stolz. Man muß der Freiheit Raum lassen, dann schnurrt sie wie ein Raubtier, eine große Katze.
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