„Ein Schriftsteller buhlt auf ebenso schmähliche Weise wie ein Politiker oder sonst ein Scharlatan um sein Publikum. Er liebt es, genau wie der Arzt die Hand am Puls zu haben, Rezepte zu verschreiben, er möchte eine Position einnehmen, anerkannt werden, den vollen Becher billiger Bewunderung bis zur Neige leeren, selbst wenn er tausend Jahre darauf warten muß. Er will keine neue Welt, die sofort errichtet werden könnte, denn er weiß, daß er sich in ihr nicht wohl fühlen würde. Er will eine unmögliche Welt, in der er ein ungekrönter Marionettenkönig ist, beherrscht von Kräften, die jenseits seiner Kontrolle liegen. Er ist zufrieden, im verborgenen – in der fiktiven Welt der Symbole – zu herrschen, denn schon der bloße Gedanke einer Berührung mit der schroffen und brutalen Wirklichkeit erschreckt ihn. Wohl erfaßt er die Wirklichkeit besser als andere Menschen, aber er macht keine Anstrengung, der Welt diese höhere Wirklichkeit kraft eigenen Beispiels aufzuzwingen. Er begnügt sich damit zu predigen, sich im Strudel von Desastern und Katastrophen weiterzuschleppen, ein krächzend den Tod verkündender Prophet, stets ohne Ehre, stets gesteinigt, stets gemieden von denen, die – wie ungeeignet sie für ihre Aufgabe auch sein mögen – immer bereit und willens sind, die Verantwortung für die Angelegenheiten der Welt zu übernehmen.“
Henry Miller, Sexus, Erstes Buch, Kapitel 1
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