Christi Himmelfahrt als Vatertag, der „Aufstieg des Herrn“ als Abstieg des Mannes, das ist realsatirisch. Vatertagsumzüge, sich besinnungslos besaufen, schmutzige Lieder singen. Warum eigentlich nicht? Etwas muß raus, geheißen die Sau. Es gibt auch sonst schon nicht viel zu lachen, warum ausgerechnet an diesem Tag nicht fröhlich sein? Die Hilfsmittel scheinen nötig – sonst sind sie schon ganz tot, obwohl sie doch atmen. Grobes Vergnügen für ein Geschlecht, das sich unverstanden weiß. Rauben, morden und brandschatzen sind verboten, da wird man doch mal um die Häuser ziehen und sich zum Gespött machen dürfen, wenn schon nicht zum Schrecken. Der Wagen ist vollgepackt mit allem, was schmeckt und Prozente hat. Und jetzt die Strohhüte auf und los, erstes Ziel ist der Dorfkrug im Nachbardorf, da muß man über den Berg, das ist anstrengend, aber mit ein paar Trinkpausen wird es zu schaffen sein. Die schlechte Nachricht: Nur noch neun Prozent der Männer begehen diesen Tag wie beschrieben. Auf RBB ist zu hören: „Bollerwagen, Bier und Busengrapschen – wer bitte braucht heute noch diese Dreieinfältigkeit der archaischen heteronormativen Männlichkeitsbehauptung?“ Der Autor empfiehlt: „Der Herrentag ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Seid ganze Männer – und macht ganz einfach: nichts!“ Damit kein RBB-Kunde verschreckt wird, steht über dem Beitrag „Polemik“. Sogleich große Lust, einen Umzug zu starten, nicht ironisch, sondern schön.
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