Selbstportrait

Die Bilderbedürftigkeit der Jungen. Sich stundenlang im Spiegel betrachten, die vielen Photographien absuchen nach einer unbestimmten Wahrheit. Wie sehe ich aus, was bedeutet dieses Aussehen, wer bin ich? Adoleszenz: in sich selbst hineinwohnen wie in ein weiträumiges, vielstöckiges Gebäude, zuvor ängstlich horchend und scheu. Von Geheimnissen sprechend, da man sich rätselhaft ist. Da muß ganz viel sein, ein Schatz ist dort angehäuft in einer noch unentdeckten Kammer. Ich bin reich, auch wenn ich noch arm sein muß, wie im Märchen. Sich aus Fundstücken und Verstreutem ein Kleid zusammennähen, eine Identität zurechtbasteln, ein schönes und großes Bild seiner selbst schaffend. Versuch und Irrtum, von Tag zu Tag, der Sommer ist lang. Darin liegen Lust und Qual verschwistert, in dieser endlosen Suche. Und immer noch mehr Bilder, Szenen und Situationen, Posen und Figuren. Unvollzählige Antworten auf nur eine Frage.


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