Nachts noch unterwegs auf den regennassen Straßen dieses Viertels, manche sagen dazu Quartier. Nordneukölln, Stadtstück wie in einer Grillzange. Der Hermannplatz führt zusammen, was Zange daran sein mag, Sonnenallee und Hermannstraße, dazwischen schlängelnd und irrlichternd, wie eine Irritation oder Erzader oder ein Geschmacksträger die Karl-Marx-Straße. Wir leben hier und liegen noch auf dem Rost. Hangabwärts den Sasarsteig hinunter, Bilder von Beirut im Kopf, obwohl ich dort noch nicht war, mein Name ist nicht Relotius, nur der kann wirklich behaupten, alles selbst gesehen zu haben, ich springe nur die Stufen hinunter und denke jedesmal Beirut. Noch unterwegs durch die regennassen Straßen auf der Suche nach einer Bar, um den kommenden Tag, der Heiligabend heißt, undramatisch erscheinen zu lassen. Geöffnet hatten die Kneipen, die stets geöffnet haben: Bierbaum, Bäreneck, Gießkanne, Blauer Affe, Syndikat. Es tropfte vom Himmel, ich kehrte heim und dachte an Freunde und deren Bewährung sonstwie sonstwo. Am Nachmittag, daran erinnere ich mich gut, war ich euphorisch, fast schon hysterisch, sagen wir ekstatisch, denn es ging um gute Gedichte und ein schönes Buch.
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