Lebensbuch

(Die Künstler sterben nicht mit ihrem Tod, ich sollte mich nicht allzu sehr wundern.) Jetzt heilt sie, dachte ich heute, obwohl sie längst tot ist, auch noch mich … Ich bin Anaïs Nin zu Dank verpflichtet und entrichte ihn gern. Ihr Tagebuch führt in helleres Verstehen und zurück in eine Wirklichkeit, die das Schöne nicht vernachlässigt. Wie sonst sich schützen vor der Häßlichkeit und Rohheit? Ich rede nicht von Rückzug und verschlossenem Garten, sondern von Gestaltung und schöpferischem Tun. Man muß rebellieren gegen den Andrang von Nichtigkeit und buntem Plunder, gegen die Verschlagwortung unseres Wissens und Vermögens, gegen Verkitschung und Versüßlichung der lebendigsten Beziehungen, gegen die Ausbeutung unserer Seelen, die falsche Ausdeutung unserer Bedürfnisse und unseres Begehrens. Nicht, indem man dauernd widerspricht und in den Wortwelten verweilt, sondern, indem man anders lebt. Die eigene Sprache wird folgen.


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