In diesem Land ein paar Lieder singen (deutsche Pressung)

Die Mauersegler sind fort, seit vorgestern. Die Trommel der Waschmaschine dreht sich. Die Ferien sind zuende. Rio Reiser singt: „Halt dich an meiner Liebe fest.“ Das ergibt kein schönes Bild. Ein Freund sagt: „Liebe oder Partnerschaft, beides geht nicht; das sind zwei ganz unterschiedliche Konzepte.“ Er lacht, wie immer, wenn es weh tut. Ich ahnte bereits, daß er Romantiker ist. Ton Steine Scherben hören – den ängstlichen und zaghaften kleinen Aufstand der Kinder der westdeutschen Republik: er klingt, als fürchteten sie, daß jeden Augenblick die Polizei ins Studio kommt, die Gestapo oder die Eltern. Es war finster in den siebziger Jahren, den bunten Farben und Blasen zum Trotz. Die deutsche Seele ist ein gequältes Ding, eingeschlossen und mißhandelt. Man möchte lüften und Licht einlassen in die Verliese der Herzen. „Wir kommen, um uns zu beschweren“ – noch immer. „Man muß sie bewachen“, schreibt einer, „sonst drehen sie durch. Mit Freiheit hat das wenig zu tun, die will man hier gar nicht.“


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