Selbstachtung

Die pure Menge des Wissens, die ein Kind aufnehmen muß, ehe es halbwegs selbständig durch die Gegend laufen kann, erschlägt und entmutigt. Daraus wird dann ein Weltbild entstehen: ein eigenes Bild der Welt (sofern es ganz und gar Eigenes in einer Welt geben kann, die zweifelsfrei allen oder niemandem gehört). Maler oder Bildner dieses Bildes ist das lernende und wachsende Individuum. Sein Lied sang einst Walt Whitman. Das Wissen muß man sich erlaufen, deshalb heißt es Erfahrung. Fahren, Gefährt, Fahrt, Fährte, Gefährte, Gefahr. Viele Bilder, viele Stimmen. Lebensweisen und Ansichten, Urteile und Bekenntnisse. Durch all dies hindurch der eigenen Spur folgen, fast schon witternd, instinktiv. Versuch und Irrtum, wieder und wieder und erneut. Dieser Optimismus der Kraft, diese Energie der Selbstbehauptung. Nicht aufgeben, niemals aufgeben, nur kurz verschnaufen. Wunden lecken, Schlaf fassen, Träume träumen. Neuer Tag. Sich hoch auftürmende Aufgaben, eine schwerer als die andere, zu lösen unter unannehmbaren Bedingungen. Dennoch weiter, Augen zu und durch. Erfolg ist, was erfolgt. Schlimmer kann es nicht mehr werden. Am Ende wird es eine Unterhaltung sein, die ein Erschöpfter mit sich als seiner Schöpfung führt, dabei in Betracht ziehend, daß noch andere Mächte mit im Spiel waren. Nur welche? Schon werden Namen genannt …


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Selbstachtung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert