Glaubenwissen. Wissenglauben

Was macht die Leute denn so wild? Wild macht sie vielleicht, wenn Wissen auftritt wie ein Glaube. Dann antworten sie mit einem Gegenglauben. Ich schreibe ‚vielleicht‘, weil ich das nur vermuten kann. Was ich weiß, ist dies: Es ist falsch, Gesslerhüte aufzustellen; es ist falsch, Bekenntnisse zu erzwingen. Die Wildgewordenen fühlen sich genötigt, einem Glauben anzuhängen, den sie nicht teilen. Sie protestieren nicht gegen Wissenschaft, sondern den politischen Gebrauch oder Mißbrauch von Wissenschaft. Was sie nicht ausreichend begreifen, ist, daß „die Politik“ in Krisensituationen in Not gerät und sich an etwas halten will, was über der Politik steht. Seit zweihundert Jahren bieten sich dafür als Thronfolger der göttlichen Vernunft die Wissenschaften an. Daß sie im besten Fall akkurat arbeiten und Einzelergebnisse vorweisen können, ehrt sie, die Wissenschaften, sehr. Daß das glaubenssüchtige Volk sie mitunter verdammt, könnte sie adeln. Ihrer Reinheit steht die Natur des Menschen entgegen, verzeihen wir das. In Glaubenshöhen schafft sie es nicht.


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