Grau, feucht und diesig. Waschküchenwetter. Daß Meisen und Spatzen umherflattern, ist ebenso schwer verständlich wie das eilige Treiben der Menschen. Warum liegt nicht alles brach? Gibt Leben denn niemals Ruhe, außer im Tod? Gestern hat es sogar geregnet und löste Aktivitäten aus. Schritte und Schirme. Pfützen und Spritzer, Sprünge und Hüpfer. Niemand flucht, alles wird hingenommen. Die formierten und einsortierten Menschen demonstrieren weltweit eindrucksvoll, daß sie sich nicht mögen. Sie mögen nicht, daß jemand anders glaubt, lebt, fühlt, liebt, denkt, sich kleidet, tanzt, arbeitet, spielt und strebt. Sie fühlen sich bedroht. Risse und Kluften, abgründig tief. Genau so tief, wie benötigt. Hierher paßt Valentin besser: „Der Mensch ist gut, nur die Leute sind schlecht.“ Ich frage mich oft, an welche dieser beiden Wahrheiten ich mich halten soll. Ich begegne beiden. Mit beiden ist jederzeit zu rechnen. Der eigene Beitrag ist entscheidend, denke ich. Da kann ich wählen und muß die volle Verantwortung übernehmen. Was ich der Welt hinzufüge, soll nicht die Zwietracht erhöhen. „Gutmensch“ wurde zum Unwort gewählt. „Unwort“ ist selbst kein schönes Wortgeschöpf. Ein guter Mensch aber ist eine Menge wert.
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