In letzter Zeit denke ich viel an Karl Lauterbach und seine Rolle im Strategiespiel der nationalen Pandemie-Bekämpfung. Früher nannte man einen wie ihn einen „Warner und Mahner“, aber Lauterbach ist noch mehr. Er ist Kassandra und das One-Trick-Pony der SPD, ein Rechthaber und Rechtbehalter und die Stimme, die niemand hören will (niemand mehr hören kann). Sein psychologisches Geschick ist unausgeprägt. Ungerührt und freiwillig gibt er die Nervensäge, den Spielverderber, den Oberlehrer. Die Leute draußen im Land können schon kaum mehr, fühlen sich ausgebrannt und erledigt – da bringt er die Ausgangssperre ins Gespräch. Feingefühl und diplomatisches Geschick sind ihm nicht eigen – wichtiger ist „die Wahrheit“. Wenn man so denkt wie Karl Lauterbach, ist das, was er sagt, tatsächlich Wahrheit. Er denkt vom Staat her, von oben nach unten, fordert anhaltend und gebetsmühlenartig strengere Maßnahmen und einschneidendere Verordnungen. Die eigene Erschöpfung disziplinierend tingelt er die Talkshows ab und wiederholt mit dieser Stimme, die für immer die Stimme der Corona-Zeit bleiben wird, was er bereits gestern und vorgestern gesagt hat. Er ist der Anti-Star schlechthin, man muß ihn bewundern, kann ihn bestaunen. Was wären wir ohne ihn?
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