Nachts kommen Stimmen, wenn ich sie lasse. Sie sind nicht in meinem Kopf, ich höre nichts Fremdes; ich bin gesund. Aber ich kann sie herbeirufen oder imaginieren. Mich interessieren die, die nicht dem Milieu angehören, das ich gewohnt bin. Vorgestern oder gestern gab es ein Bild zu sehen, auf dem stehen links abwehrbereite Polizisten in Reihe und Uniform, links angriffslustige Demonstranten, sogenannte Wutbürger, mit vorgereckten Köpfen und aufgerissenen Mündern. Man spürt die Spannung und sieht den schmalen Spalt zwischen den beiden Polen der Ladung: ein Stück Gras oder Wiese. Ich denke an Spielfilme aus der Zeit der Kreuzritter, wenn die Heere aufeinanderprallen, oder an Ran von Akira Kurosawa. Die Pandemie-Situation (eine lange Abfolge von Augenblicken und Wendepunkten) arbeitet gegensätzliche Positionen und Wertvorstellungen heraus. Sie kann nichts hervorholen, was nicht in uns ist. Auch das leisten Krisen – daß wir erkennbarer werden.
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