Schwankend weiter Richtung Selbstwert

Ist es einem beschieden, in einem dieser disziplinierten Länder aufzuwachsen, wird die erlernte Disziplin zur „eigenen“ Zweiteigenschaft. Fortan überwacht und bewertet man nicht nur das Verhalten anderer, sondern auch und zunächst das eigene. Das ist anstrengend, denn es beruht auf (permanenter) Kontrolle. Kontrolle beruht auf Mißtrauen bis Angst, das Spektrum ist breit. Wo Mißtrauen offenbar vorausgesetzt werden muß, jedenfalls wird – hast du auch alles richtig gemacht – wachsen Unsicherheit, Selbstzweifel und Betrug. Die Furcht davor, unzureichend zu sein, korrespondiert mit der, von anderen als unzureichend erkannt und entlarvt zu werden. Also wappnet man sich und bildet Kompetenzmauern oder spiekt sich mit Nachweisen der Verdienste, mit Titeln, Rängen, Zertifikaten. Das sind anerkannte und besiegelte Nachweise – auf die sind alle aus. Objektivitätsanker in einer Flut des Begehrens und Strebens, der Anlässe und der Versuchungen (der Gelegenheiten und Nichtgelegenheiten). Ich bekomme in diesen Ländern keine Luft. Die Bürger solcher Länder tun so, als seien sie frei und ungezwungen. Dieses So-Tun hat guten Grund. Indem sie so tun, anerkennen sie den Mangel.


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