Danke kranke Schranke

Wie unter einer Kuppel, abgeschirmt von der größeren irdischen Wirklichkeit, Wind und Wetter zwar noch zugänglich, aber auf untersuchenswerte Art dennoch abgeschnitten von dem, was irgendwann zuvor einmal das ganze Leben war oder geheißen wurde. In dieser halbwegs neuen Künstlichkeit einer aseptischen und sterilisierten Gegenwart aus Prävention und Risikoeinschätzung dämmere ich vor mich hin und entwerfe Gegenentwürfe zur verordneten oder empfohlenen Enthaltsamkeit, die sich querfrißt und in die Freundschaften greift wie ein Geschwür. Von manchen Lieben höre ich nichts mehr, und ich selbst bin schweigsam geworden. Da ist etwas geschehen mit uns, ohne daß wir es wollten. Das Soziale ist die Sphäre des Austauschs und des Abgleichs, ohne sie werden wir einsilbig oder suchen uns andere Partner, virtuelle und informationelle Kanäle. Leute, die wir nicht kennen, die für nichts haften, die wir nicht zur Rechenschaft ziehen können. Also blubbern wir in dieser Fruchtblase aus Nichts und paddeln idiotisch herum, kreisen um uns selbst oder kontakten die erlaubten Kontakte und werden sie satt, da alles Nahe einem irgendwann auf die Nerven fällt, insbesondere dann, wenn man es auch noch braucht. Ich fühle mich wie eine kaputte, mächtig aufblühende Pflanze in einem Gewächshaus zur Erzeugung psychotroper Substanzen, ich deliriere vor mich hin, um im Selbstversuch meine toxische Wirksamkeit zu entfalten. Ich muß nicht mehr wir sagen, ich bin allein wirksam genug. Doch es bleibt Gewächshaus, Künstlichkeit, unsichtbares Gefängnis. Ein widerwärtiger Zustand.


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