Einzig und richtig

Faschismus ist immer das, was man bekämpft. Man schaut in die eine, aber er kommt aus einer anderen Richtung.

Würde ich Faschismus installieren wollen, ginge ich über die Angst der Menschen. Auf die ist Verlaß, sie ist der Hebel. Dann böte ich mich als Retter an und wiese den verängstigten Massen einen Weg – den einzig richtigen Weg. Vorher hätte ich sie mit meiner Propaganda solange bearbeitet, bis sie nichts anderes mehr denken könnten als das, was das einzig richtige Denken in einer solchen Krise ist. Denn ohne Krise kann es keinen Faschismus geben.

Es wäre überdies wichtig, eine weitere Überzeugung in die Gehirne der Bürger zu pflanzen: daß nämlich alle widerstreitenden Auffassungen illegitim und im Kern böse sind. Hätte ich die Massen soweit – wären meine Absichten also endlich mehrheitsfähig – würde ich mir politische Befugnisse einräumen lassen, die mich in die Lage versetzen, ganz legal die Ziele zu verfolgen, um die es mir geht.

An der Ausgrenzung und Verächtlichmachung meiner Gegner wäre mir gelegen. Sie dürften die öffentlichen Räume nicht mehr betreten oder müßten sich als Volksfeinde kennzeichnen. Die Ausweiskontrollen würden zunehmen, die Überwachung hätte Vorrang. Sicherheit ist schließlich das, was das Volk am nötigsten hat. Wo gehobelt wird, fallen Späne. Man darf nicht zimperlich sein.

Wie komme ich auf solche Gedanken. Nun, ich denke über die 2G-Regel nach. Demnach gäbe es nur eine einzige richtige Lösung und demnach auch Haltung und Meinung. Immer wenn es einzig richtig wird, gehe ich instinktiv in Deckung und komme auf schlechte Gedanken.


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