Mauersegler!

Sommerzeit, Zeit der Mauersegler. Ich bewundere ihre Flugkünste und bin jedes Jahr erneut fassungslos. Im Mai suche ich den Himmel nach ihnen ab. Wo seid ihr? Dann sind sie eines Abends plötzlich da und jagen mit schrillem Schrei über die Höfe. Sie schneiden durch die Luft, stürzen sich in die Tiefe, beschreiben Kurven, als gäbe es eine Jury, die Punkte vergibt für Wagemut und tolldreiste Flugmanöver. Wenn sie in kleinen Gruppen nebeneinander herjagen, denke ich jedesmal, daß sie sich gegenseitig beachten und beobachten und noch anfeuern, wenigstens Anerkennung zollen. Sonst will ich das gerne tun. Ohne zu sprechen feuere ich sie an. Wie kann man einen schlechten Abend haben, wenn dort droben die Flugschau stattfindet? Wie sie sich freuen, wie sie sich von der Geschwindigkeit ihrer beschleunigten Körper berauschen lassen! Ich gerate fast außer Atem, wenn ich mir vorstelle, ich könnte mit ihnen sein. Dabei habe ich etwas Angst vorm Fliegen – sehne mich wohl danach. Ich Erdgebundener blicke zu ihnen auf und bekomme einen steifen Nacken davon. Ganz gleich. Ihr Element ist die Luft, ihre beiden Flügel haben die Form einer scharfen Sichel. Am Boden sind sie verloren. Sie besitzen nur Füßchen mit Krallen daran. Sie müssen sich fallenlassen, sie können nicht springen und dann mit den Flügeln schlagen. Leider denke ich nach vorn und fühle schon die ersten Tage im August nahen, wenn sie gleichsam über Nacht plötzlich fort sein werden. Gäste für drei Monate nur, doch was für ein Programm!


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