Nicht zu laut atmen II

Robbie Robertson: „I was just trying to make the right mistake.“

Die Furcht vor der Blamage im Land der Meistermacher, Alleskönner, Besserwisser und Rechthaber. Lieber gar nicht erst antreten, besser es gar nicht erst versuchen. Nicht springen, nicht spielen, nicht singen, nicht aufbrechen. Der Schuster bleibt bei seinen Leisten, die Kirche im Dorf, das Pony im Stall und der kluge Junge zuhause.

Angst vor Fehlern als Ergebnis von Vermeidungspädagogik. Bis einem buchstäblich nichts mehr einfällt. Bestürzender Kreativitätsverlust bereits im Kindesalter, und dann auch schon diese scheiß Pubertät. Weiß ich nicht, kann ich nicht, keine Ahnung, ist mir egal. Automatenkind in Apathie, lebenslanges Abtauchen, aufgescheucht nur noch von ein paar Trieben und dem verständlichen Wunsch, reich zu sein (Reflex auf innere Armut).

Hier macht einem niemand Mut. Nur manchmal die Eltern, doch denen kann man nicht trauen. Sind befangen. Alle anderen werden einem erklären, daß es schwierig wird, daß es riskant ist, daß die Aussichten schlecht sind, daß man sich vorsehen soll. Wer dringend Zuspruch bedarf, ist nahezu verloren. Sie halten sich hier eisern ans Mittelmaß. Damit meinen sie gut zu fahren.

Daß es hier überhaupt Künstler gibt, könnte einen verblüffen, wüßte man nicht, daß das Verdrängte, Abgeschobene, Eingepreßte heraus muß, und daß es diese undichten Stellen im Ganzkörperanzug der gefaßten Zivilisationseinheit gibt, durch die das Leben ins Freie tritt.

Erst atmen, dann widersprechen.

 


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