Notfalls zur Erinnerung (seltsames Wort)

Ich mag „das Unbedingte“, denn es ähnelt „dem Absoluten“, versucht sich ihm anzunähern. Das sogenannte Unbedingte zeichnet junge Idealisten aus, und nichts daran (der Suche nach Wahrhaftigkeit und einem ehrlichen Leben) ist falsch. Man hört nicht auf zu suchen und forscht ein Leben lang. Warum sollte meine Neugier gestillt sein – und wann? Ich empfinde das Älterwerden und Altern als einen Prozeß der Klärung und des Auf-den-Punkt-Kommens, was immer dieser Punkt bedeuten mag. Natürlich wandert er und liegt mal hier, mal dort. Zweierlei haben sich geändert: die Perspektiven und der eigene Vorrat. Sich aber aus solcher Perspektive lustig zu machen über junge Idealisten und damit seinem eigenen Idealismus in den Rücken zu fallen empfinde ich als unanständig und verräterisch. Ein jedes zu seiner Zeit. Übrigens sind wir innerhalb der jeweiligen Lebensabschnitte abwechselnd alt und jung. Ich war steinalt mit neunzehn. Später erneut, ich mag das nachlesen in den Tagebüchern. Jung und alt sind nicht Gegensätze, sondern Ergänzungen. Ich schäme mich ein wenig, denn das weiß doch eigentlich jeder.


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Notfalls zur Erinnerung (seltsames Wort)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert